Diagnose: Akute Gastroenteritis & Dehydration

Samira:
Manchmal gehen einem Stress oder Probleme auf den Magen…am Anfang dachte ich das. Schon seit zwei Wochen warteten wir auf ein Safari- Angebot eines kenianischen Reisebüros. Dann kam es endlich. Es sollte in den Amboseli Nationalpark gehen, mit dem Flugzeug nach Nairobi und als Teil einer Gruppe mit einem Kleinbus weiter in den Park. In freudiger Stimmung fuhren wir also zur Bank, haben die Summe abgehoben und wollten im Reisebüro zahlen. Ähm, nee, kenianische Schilling nehmen die Anbieter der Safari nicht. Aha!? Wir sind aber doch in Kenia und da zahlt man normalerweise mit kenianischen Schillings?! „No, sorry!“ Also zur Bank zum Wechseln. „Beim aktuellen Kurs wären das dann ca. 50 USD Verlust, ein besseres Angebot kann ich Ihnen leider nicht machen.“ Ab diesem Moment wurde mir schlecht. Fanta und süße Kekse halfen nicht. Zurück nach Hause und entspannen. Aufgewacht nach einem unruhigen Mittagsschlaf gings mir trotzdem nicht besser. Leichte Übelkeit, Schwindel, leicht erhöhte Temperatur und ganz seltsam: keinen Appetit! Und dabei gab’s doch Pizza!?!?! Oh man!!!
Mitten in der Nacht: Magenkrämpfe und Übelkeit. Ok, also doch nicht nur eine Reaktion auf Stress. SEBASTIAN schau mal im Internet welche Symptome auf Malaria hinweisen. (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber). Oh Gott, ich habe bestimmt Malaria. Die Schmerzen wurden schlimmer, irgendwann habe ich nur noch auf dem Badezimmerboden gelegen, geschwitzt und gefroren bei 27 C° mit Krampfattacken, die ich noch nie in meinem Leben hatte. Den Mülleimer neben mir und die Kloschüssel nicht weit von meinem Kopf entfernt erwartete ich den nächsten Krampf. Sebastian, mittlerweile hellwach, war immer bereit Getränke, Wärmflasche, den gesamten Inhalt unserer Reiseapotheke, Decke, Handtuch, Kissen usw. zu holen. Sprechen ging schlecht, aber ein „Ärztin anrufen, bittttte!“ habe ich noch krächzen können.
Zum Glück hatte die Ärztin versprochen am Morgen vorbei zu kommen. Mit Eintreffen der Ärztin: Krampf, Toilette, Bewusstlosigkeit, Spritze in den Po, liebe Worte, ein paar Schlückchen Fanta. Ärztin weg: Krampf, Toilette, Erbrechen, schwitzen, frieren.
Ok, Krankenhaus.

Sebastian
Also ging es ab ins naheliegende  Hospital Tawfiq (20 Minuten Autofahrt).

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Jetzt sollte sich ein Arzt schnell um Samira Kümmern können – doch weit gefehlt. Es begann ein mehrstufuges Verfahren. Zunächst erstmal Samira anmelden und für die erste Begutachtung bezahlen. Was folgte: Warten. Erste Begutachtung durch eine Krankenhausangestellte. Was folgte: Warten. Dann endlich in das Zimmer des Arztes (wir glauben zumindest, dass er einer war). Trotz sprachlicher Probleme (mittlerweile sollte ich alle medizinischen Ausdrücke auf Englisch drauf haben), konnten wir dem Arzt alle Probleme mitteilen. Er sagte nur freudig lächelnd „Ah, oh, ok. Let’s go to the Emergency (Notaufnahme).“ Wir wurden in einen Raum mit drei Betten, getrennt durch Vorhänge, und großem Durchgangsverkehr geführt. Hier liefen andere Patienten, Schwestern, Pfleger und Putzfrauen durch. Handys klingelten, der eine sang, der andere unterhielt sich durch die offene Tür.
Aber…uns wurde geholfen. Nach Verabreichung einer Infusion inkl. Schmerzmittel dachte ich, dass nun alles wieder gut ist.
Doch nach ein paar Minuten bekam Samira heftigen Schüttelfrost und die Finger und Lippen liefen blau an. „Excuse me Sir, her nails are blue.“ „Oh!“ Kurz danach standen fünf Ärzte, Schwestern und Pfleger um Samira. Durch Absetzung der Infusion und Zuführung von Sauerstoff konnte die Lage wieder stabilisiert werden. Herzrythmus und Blutdruck wurden ab diesem Moment durchgänig überwacht sowie die Fingernägel. Der Blick auf die Fußnägel war leider nicht möglich. Grund dafür: Nagellack – typisch Frau!

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Was folgten waren unzählige Injektionen, Bluttests, Infusionen und Tabletten. Und das alles obwohl Samira Krankenhäuser und Spritzen überhaupt gar nicht mag. In der Zwischenzeit organisierte ich das Krankenhauszimmer. Hospital: „Do you want a general room or a private room?“ Ich: „Ähm was ist der Unterschied? Wieviele Betten stehen im general room?“ Schweigen auf der anderen Seite! Ich hakte nochmal nach: „More than 10 people?“ Die Dame lachte und sagte: „Yes, sure.“ „Na dann doch lieber das Einzelzimmer. Wie sich nachher noch herausstellen sollte waren weder Türen, noch Schränke noch ein eigenes Badezimmer in den general rooms vorhanden.
Also lieber auf Nummer sicher gehen und das Einzelzimmer inkl. Fernseher, Beistellbett, Klimaanlage und eigenem Bad nehmen. Mit einem deutschen Krankenhaus war es nicht vergleichbar, wir waren ja auch in Kenia. Und für unsere Zwecke reichte es völlig.

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Nach einer unruhigen Nacht (Infusionen und Spritzen bis 0 Uhr, Wecker aus Versehen auf 3 Uhr gestellt), ging der Morgen direkt unsanft weiter. Um 6 Uhr weckte uns der Pfleger für die erste Infusion, kurz danach wechselten sich eine Schar von Personen ab, um uns einen Besuch abzustatten: „How are you today?“ „Breakfast?“ „Good morning, I want to change the bed covers.“ Mülleimerentleerung ohne Gespräch. „Next infusion.“ Dieses Kommen und Gehen zog sich den ganzen Vormittag durch!

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Naja, es wird ja nicht mehr lange bis zur Entlassung dauern. Wir sprachen dann mit dem Doktor, der Samira das erste Mal in „Farbe“ sah. Er war erleichtert und stimmte der Entlassung zu. Wir mussten also nur auf die Rechnung warten (ca. zwei Stunden ist üblich) und waren schon mit einem Bein aus dem Krankenhaus, als die Bauchkrämpfe zurückkamen. Was folgte war eine weitere Nacht inkl. dem selben Prozedere des Vortags. Und auch das Bett wurde am zweiten Tag leider nicht bequemer. Am nächsten Tag, also heute, konnten wir dann endlich das Krankenhaus verlassen.

Fazit: Alle haben sich sehr rührend um uns gekümmert.
Die Safari ist vorerst abgesagt.
Samira muss ab jetzt 4 Liter Wasser am Tag zu sich nehmen und bekommt die nächsten Tage Schonkost.


11 Gedanken zu “Diagnose: Akute Gastroenteritis & Dehydration

  1. Liebe Sammy, habe mich so erschrocken, als gestern die Nachricht von Gabi kam,
    halt dich weiter tapfer, musst auch nie Fisch essen, momentan ist der Apetit eh noch nicht so da.
    Auf eine Safari kann man auch verzichten…werd ja wieder fit. Du weißt aber nun, was den Unterschied ausmacht in Sachen Krankenhaus. Gut ist aber, dass die Menschen such so gekümmert haben. Und: Sebastian ist ja da!!! Also aufpassen jetzt und alles ruhig ohne Stress werden lassen. In Afrika dauert alles eben seine Zeit, oder?
    Ich wünsch euch jetzt Ruhe und Gekassenheit und Genesung, komplett….und dann geht’s weiter
    LG Gerhard

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  2. Oh wei Sami was machst du denn für Sachen 😳 Ich wünsch dir dass es dir bald wieder besser geht und es nur ein Virus war… Sebastian pass gut auf euch beide auf 🙂
    Alles Liebe, hoffe bald wieder erwas positiveres zu lesen!
    Ich drück euch, Bussi Andrea

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  3. Liebe Samira und Sebastian,
    ich sende euch ganz liebe Genesungwünsche, fühlt euch ganz doll gedrückt.
    “ Manchmal scheint alles Grau in grau, doch plötzlich bricht die Sonne durch…“
    Allen guten Wünsche aus der Heimat
    “ Let your heart sing, let your spirit soar, for there´s so much in life to be greatful for-
    there´s the echo of laughter, the warmth of the sun, the quiet of evening when day is done,
    the peaceful light of the stars above and dear´est of all – a good friends love“
    Much hugs and greetings – Colette 🙂

    Gefällt 1 Person

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