Bunt wie ein Schmetterling

Erholt und mit guter Stimmung landeten wir in Cartagena de Indias, eine Stadt an der Karibikküste mit einer Millionen Einwohner. Für Touristen ist hier in erster Linie die ummauerte Altstadt, die die Stadtteile Centro, San Diego und Getsemani umfasst, interessant. 

Quelle: Google Maps

Seit 1984 darf sich der historische Teil der Stadt als UNESCO-Weltkulturerbe bezeichnen. Hier stehen wunderschöne bunte Häuser im Kolonialstil nebeneinander, an denen wir uns kaum satt sehen konnten. Die Balkone hängen voll mit zahlreichen Blumen, durch die gepflasterten Straßen fahren Pferdekutschen und Straßenhändler ziehen ihre Kreise um die Touristen. Um den Touristenmassen zumindest nachts zu entkommen, buchten wir uns Unterkünfte in Getsemani. Auch hier findet man bunte Häuser, manche restauriert, manche aber auch heruntergekommen ohne Dächer oder Fenster. Aber genau das verleiht dem Stadtteil seinen Charme. Abends trafen wir auf Backpacker und eine sehr große Zahl an Locals, die zusammen auf dem Plaza de La Trinidad tanzten, aßen, tranken oder sich einfach unterhielten. Alles in friedlicher Eintracht, keiner stört den anderen und wir hatten das Gefühl ein Teil dieser kolumbianischen Community zu sein. 

Besonders Weihnachten auf diesem Platz zu feiern, war ein Highlight. Hier bleibt keiner in den Wohnzimmern sitzen und packt Geschenke aus. Hier geht man raus, sitzt vor dem Haus oder in einem der zahlreichen öffentlichen Parks und Plätze. Auf dem Platz Trinidad wurden um kurz vor 20 Uhr große Boxen aufgebaut, Fitnesstrainer machten sich warm, während die Straßenstände mit dem Essen zubereiten nicht mehr nach kamen. Ein paar Minuten später wurde die Musik aufgedreht, Salsa-Rhythmen beschallten den Platz. Es wurde getanzt bis alle durchgeschwitzt waren.

Hostelcheck Cartagena

  • Hotel Casa Carmen (Getsemani): 7/10 (7 von 10 Punkten)
  • Friends To Be (Getsemani): 8/10
  • Hotel Conde de la Cruz (San Diego): 7/10
  • Hotel Casa Mara (Getsemani): 9/10

Wir haben Cartagena immer wieder als Ausgangspunkt für viele Ausflüge genutzt, zum Beispiel, um den Norden Kolumbiens zu erkunden. Dafür haben wir uns über das Hostel eine Busfahrt mit dem privaten Unternehmen Marsol gebucht, das ihre Gäste an der Unterkunft abholen und am Zielort zum gewünschten Ort bringen. Die Reise ging nach Taganga und später spontan nach Palomino.
In Taganga kann man tauchen, was wir aber wegen einer Erkältung nicht ausprobierten. Also blieb uns nichts anderes übrig als Restaurants und Bars zu testen oder am Hostelpool zu chillen. Das Hostel Casa Moringa verfügt nämlich über eine wunderschöne Außenanlage mit Pool und mehreren Hangemätten auf verschiedenen Ebenen. So können sich die Gäste gut aus dem Weg gehen. Nicht aus dem Weg gehen kann man sich jedoch in den Dorms (Mehrbettzimmer), in denen die Betten sehr eng aneinander stehen und man auf die Rücksicht der Mitbewohner angewiesen ist. Uns ist wieder bewusst geworden, dass wir Dorms und eine große Anzahl an Backpackern nicht mögen. Türen werden offen gelassen, sodass eine nicht unerhebliche Anzahl an Moskitos ins Zimmer kommt, Bäder und Küchen werden behandelt, als ob der Anstand zu Hause vergessen wurde. Nein nein, wir bevorzugen Nachtruhe und im sitzen pinkeln. 😊 Nächstes Mal gibt’s wieder ein Doppelzimmer.

Taganga selbst liegt nur wenige Kilometer von Santa Marta entfernt und besteht aus einer Bucht mit Sandstrand und aus einem kleinen Dorf mit vielen Geschäften, Essensmöglichkeiten und vielen Tauchschulen. Vor allem das von zwei Österreichern geführte Café Bonsai war so lecker, dass wir die Karte rauf und runter bestellten. Von leckeren selbstgemachten Sandwiches und Salaten bis zu Zimtschnecken gab es alles, was Europäer auf langen Reisen vermissen. 

Ein überragendes Abendessen mit leckeren Cocktails gab es im Pacha Mama. Dort waren wir gemeinsam mit Stephi und Stephan, die wir auf dem Weg nach San Andrés getroffen hatten und uns zufällig in Taganga wieder begegnet sind. Stephi schenkte uns noch ein großzügiges vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Wir überlegten schon eine längere Zeit, wie wir überschüssiges Gepäck los werden könnten. Die Zeiten der dicken Jacken und langen Hosen waren nun nämlich vorbei. Bei uns sollte, im Gegensatz zu Deutschland, der Sommer Einzug erhalten. Stephi bot uns an, die Klamotten bei ihrem Flug nach Deutschland mitzunehmen. Das Problem: wir hatten einen von zwei Rucksäcken im Hostel in Cartagena hinterlegt, weil wir das unnütze Zeug nicht mitschleppen wollten. Von einem billigen Kurier-Flug nach Bogota und wieder zurück (bei einem Versandpreis von ca. 200 Euro für 10 Kilo wirklich eine Überlegung wert) sahen wir in letzter Minute ab und schickten das Paket mit dem Unternehmen Deprisa für weniger als 15 Euro zu ihr nach Bogota. Am Flughafen in Frankfurt nahm Samiras Papa das Paket in Empfang und Samiras Mama hatte das erste Mal seit vielen Monaten eine Waschmaschine mit Wäsche von den Kindern Zuhause. (Samira: Danke Mama und Papa für den Kurier- und Wäschedienst.) Jetzt können wir endlich wieder Liegestütze mit den Rucksäcken auf dem Rücken machen, so leicht wie sie jetzt sind.

Von Taganga aus machten wir noch einen Abstecher nach Palomino. Dieser kleine Ort, der vor allem für Surfer ein Paradis sein soll, hat ebenfalls zahlreiche Lokalitäten und Unterkünfte zu bieten. Auf Grund der starken Strömung war an Surfen leider nicht zu denken und auf das bekannte Tuben (auf LKW-Reifen durchs Wasser treiben lassen) hatten wir beim Blick auf den Hostelpool auch keine Lust. Also machten wir wieder nicht viel und verbrachten unsere Tage im und am Pool des The Dreamer Hostels und genossen langes ungestörten Ausschlafen im Doppelzimmer. Juhuuu!

Tagesausflüge gibt es von Cartagena aus ebenfalls einige. Da wir schon viele wunderschöne Strände gesehen hatten, entschieden wir uns gegen die Ausflüge zur Isla de Rosario, Isla Baru oder zum Playa Blanco, dafür aber für einen Schlammvulkan. Der Krater des Lodo El Totumo ist nur 20 Meter hoch, aber er reicht angeblich bis zu 2.300 Meter in die Tiefe. Keine Angst, man kann nicht runterfallen. Der Schlamm lässt einen wie einen Korken auf Wasser auf der Oberfläche treiben. Für ein kleines Trinkgeld wird man hier von Einheimischen mit dem Schlamm eingerieben und massiert, denn der Schlamm soll besonders gut für die Haut sein. Nach ungefähr 20 Minuten Schlammkur wird man wenige Meter entfernt von einheimischen Damen abgewaschen, bis tatsächlich fast nichts mehr vom Schlamm an einem klebt. Das ganze kann, wieder für ein kleines Trinkgeld, mit der eigenen Kamera festgehalten werden. Für uns war es das erste mal in einem Schlammvulkan. Mit Julia und Jakob, dem anderen Teil unserer kleinen Reisegruppe, hatten wir sehr viel Spaß beim Versuch im Schlamm unterzutauchen und auch anschließend am Strand beim typisch kolumbianischen Mittagessen, das Teil der Tour war. Klar sind hier nur Touristen zu finden, wenn auch erstaunlich wenige, dennoch fanden wir den Ausflug sei Geld wert und eine lustige Erfahrung.

Fazit: Cartagena war für uns ein schöner Ort, um zu bleiben. So schön, dass wir insgesamt dreimal hier waren. Zwar an manchen Ecken etwas zu touristisch, findet man dennoch viele Plätze abseits der Touristenströme. Taganga lädt auf Grund der Lage und Abgeschiedenheit zum nichts tun oder tauchen ein. Palomino ist weit ab vom Schuss, aber irgendwie nicht die lange Reise wert. Hier oben befindet sich noch der Parque Nacional Natural Tayrona, der für seine traumhaften Strände bekannt ist. Wir haben ihn ausgelassen und können daher nichts darüber berichten. 


12 Gedanken zu “Bunt wie ein Schmetterling

  1. Wow, traumhafte Bilder. Da kommt bei bis zu minus 20 Grad in Deutschland zumindest kurzfristig ein gedankliches „Sommerfeeling“ auf..
    Einzige Frage: Seppi, pinkeln im sitzen?!?

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Ihr zwei,

    wirklich toll was ihr so erlebt🙈 Im Schlamm hätte ich auch gerne mal mit euch gebadet…das war bestimmt lustig 😂

    Viel Spaß euch noch 😘😘

    Gefällt 1 Person

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